Themen für Bachelor- oder Masterarbeiten in Bioinformatik, (Bio-)Statistik oder Biologie in
der Statistischen Genetik
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Thema 1: Populationsgenetik invasiver Arten mit Allee-Effekt
Wenn die Wachstumsrate einer Population mit ihrer Größe zunimmt, spricht man von einem demographischen Allee-Effekt. Der Allee-Effekt ist von großer Bedeutung für das Verständnis invasiver Arten, weil er dazu führen kann, dass eine Art sich nur dann etablieren und ausbreiten kann, wenn ihre Anfangspopulation eine gewisse kritische Größe überschreitet. In dieser Bachelorarbeit soll mit Hilfe von Computersimulationen untersucht werden, ob der Allee-Effekt Spuren in neutralen genetischen Daten einer Art hinterlässt, die in ein räumlich strukturiertes Gebiet einwandert. Diese Information könnte dabei helfen, die kritische Populationsgröße und damit das Invasionsrisiko einer Art abzuschätzen.
Thema 2: Long-Branch-Attraction durch zu gute Alignments
Parsimonische Methoden zur Phylogenierekonstruktion führen zu fehlerhaften
Resultaten, wenn der Stammbaum sehr lange Äste
enthält. Bayessche Ansätze und ML-Methoden sollten dieses Problem
theoretisch nicht haben. Aus der Praxis wird das Problem gelegentlich
aber auch dann berichtet, wenn Bayes- oder ML-Methoden verwendet wurden. Eine
mögliche Erklärung wäre, dass eine Überoptimierung der zu
Grunde liegenden Sequenzalignments zur
sogenannten Long-Branch-Attraction führen kann. In der Bachelorarbeit soll
diese Möglichkeit durch Simulationsstudien untersucht
werden. Gegebenenfalls geht es auch um die Frage, ob die neueren Ansätze des
sogenannten statischen Alignments dieses Problem beheben.
Thema 3: Welche Alignmentprogramme sollte man für
populationsgenetische Daten verwenden?
Viele Alignment-Programme wurden ursprünglich entwickelt, und
damit Sequenzen zu alignieren, die von verschiedenen Spezien kommen. Die
leistungsfähigsten Programme für diese Aufgabe alignieren die
Sequenzen entlang einer vorläufigen Schätzung des phylogenetischen
Stammbaums der Arten. In der Populationsgenetik werden aber häufig
Sequenzen anlaysiert, bei denen aufgrund hoher Rekombinationsraten die
Genealogie nicht durch einen einzelnen Baum darstellbar ist. Durch
Simulationsstudien soll untersucht werden, welche Alignmentprogramme in dieser
Situation die besten Resultate liefern.
Thema 4:
Simulationen des Fleming-Viot-Modells für die Evolution
im räumlichen Kontinuum.
Die Genealogie des vor kurzem von Barton und Etheridge eingeführten
räumlichen Fleming-Viot Prozesses wird durch einen räumlichen
Coalescenten beschrieben. Im Rahmen einer Simulationsstudie soll
dieser Coalescent untersucht werden. Dabei sollte laut einer Arbeit
von Barton, Etheridge und Véber (2009) sowohl ein allgemeiner
Coalescent also auch verschmelzende Brownsche Bewegungen beobachtet
werden.
Anforderungen
Von Vorteil sind Kenntnisse in R oder einer anderen
Programmiersprache. Diese können z.B. in Martin Hutzenthalers R-Kurs im
Februar erlangt werden, siehe:
http://evol.bio.lmu.de/statgen/Rcourse/ws0910/
(Kostenpflichtige Kurse, die vom Institut für Statistik angeboten werden,
findet man unter http://www.statistik.lmu.de/R/)
Auswahlverfahren:
Eine Vorauswahl erfolgt aufgrund eines kurzen
Motivationsschreibens (150 bis 400 Wörter), aus dem auch hervorgehen
soll, welche Vorkenntnisse in den Bereichen Statistik, Evolution,
EDV-Kenntnisse und Mathematik vorhanden sind. Die endgültige Auswahl
erfolgt dann nach einem persönlichen Gespräch.
web page last updated: Dirk Metzler, January 26, 2011